Der Otago Rail Trail.

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Feb 152017
 

126. Reisetag

2666 km

 

1990 fuhr hier die letzte Eisenbahn, jetzt wir – auf der um 1900 Jh. erbauten Central Otago Rail. Die ersten 80 Kilometer sind erhalten geblieben und in alten Eisenbahnwaggons mit zwei (neuen) Dieselloks machen Touristen (und wir) eine Sightseeingtour durch die schroffe Taieri Schlucht in die Höhe.

Im Zug begegnen wir Thomas, einem deutschen Bio-Apfel-Bauer. 10 Jahre hat er geträumt nach Neuseeland zu fahren und jetzt wagte er den Schritt, alleine und mit wenigen Englischkenntnissen. In Middelmarch der Endstation trinken wir einen Kaffee zusammen, dann fährt er mit dem Zug zurück nach Dunedin, wir bleiben. Ohne Fahrgäste wirkt der Ort ausgestorben. In der leeren einzigen Kneipe besorgen wir uns zwei Bier und bauen auf dem ebenfalls leeren Campingplatz unser Zelt auf. Die Hoffnung auf eine ruhige Nacht zerschlägt sich als zwei Kleinbusse mit jungen Männern ankommen. Sie feiern im Ort die Hochzeit eines Kumpels. Lautstark verlassen sie etwas später den Platz, noch lauter kommen sie in frühen Morgenstunden zurück.

Gerädert von der gestörten Nacht starten wir die Tour auf Neuseelands beliebtestem und ersten Radweg. Zunächst unspektakulär durch Weidelandschaften mit und ohne Schafe. Kontinuierlich mit wenig Steigung radeln wir in die Höhe. Wir schlängeln uns an den Hängen entlang und haben wunderbare Ausblicke in breite Täler und schroffe Schluchten. Der Blick in die Weite der Landschaft ist immer etwas Besonderes für mich. Ich fühle mich frei und genieße das Unterwegssein.
Grüne Bänder von Weiden zeigen den Verlauf der Flüsse an. Ein goldgelbes Gräsermeer wiegt sich im Wind und lässt die Hänge fluid erscheinen. Es herrscht Trockenheit. Der Regen bleibt auf der Westseite der Alpen. Durch künstliche Bewässerung entstehen grüne Flächen in der gelben Landschaft.

Der erste und letzte Einkehrstopp erfolgt nach 55 Kilometer in einem Kleinstort. Marie erfreut sich an einer Pizza mit Bier und kämpf dafür die letzten 10 Kilometer gegen den Wind. Ermüdet erreichen wir den Ort Ranfurly und finden unsere Unterkunft in einem alten Postgebäude, das in ein Hostel umfunktioniert wurde.

Am nächsten Morgen strahlender Sonnenschein, dazu leider ein heftiger Wind. Nach 10 Kilometern schnecken, ist uns klar, dass wir nicht weit kommen. Mit dem Wissen, dass wir nach weiteren 5 Kilometer eine Bleibe finden schaffen wir sie auch. Die Unterkunft ist unerwartet gut. In einer nachgebauten kleinen Miners-Cottage mit Weitblick kommen wir unter. Im 15 Seelendorf Wedderburn gibt es eine Taverne in der wir am Abend unseren Flüssigkeits- und Essensbedarf stillen. In der Nacht zieht heftiger Regen auf. Merkwürdig, wenn es regnet schweigt hier der Wind. So fahren wir in den nachlassenden Regen hinein. Nach 5 Kilometer erreichen wir mit 650 m den höchsten Punkt des Trails. Danach geht es bergab und wir lassen uns rollen. Mühelos genießen wir die Weitblicke, überfahren diverse Brücken, durchfahren zwei Tunnel und staunen wie schön es hier ist. Die 60 Kilometer zum nächsten Ort sind schnell zurückgelegt. Auf dem örtlichen Gemeinschaftsplatz mit Sport- und Campinganlagen kommen wir in einem Hüttchen unter. Im Supermarkt frischen wir unsere Lebensmittel auf. Einen weiteren Tag fahren wir auf dem Trail, erreichen den größeren Ort Alexandra und radeln entlang des Clutha-Rivers nach Clyde. Der Ort entstand während des Goldrausches im Otago der 1860er-Jahre und war zu dessen Höhepunkt der bevölkerungsreichste Ort Neuseelands. Kaum zu glauben wenn man in dem verschlafenem Örtchen steht. Die Nacht verbringen wir wiederum auf dem dörflichen Sport- und Campingplatz.

Unsere Trailfahrt ist beendet. Wir legten 150 Kilometer autofrei, mit wenig Steigung und wunderschönem Umfeld in der Einsamkeit zurück. Die nächsten 80 Kilometer Highway nach Queenstown überbrücken wir mangels Nebenstraßen mit dem Bus.

Pinguine, Boulders und mee(h)r.

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Feb 092017
 

120. Reisetag

 2494 km

 

Unser nächster Stopp ist 40 Kilometer weiter südlich, im kleinen Ort Hampden. In einem etwas muffeligen Campingwagen an der Küste nisten wir uns für die nächsten zwei Tage ein. Der Vorteil gegenüber dem Zelt: wir können stehen, die Nebengeräusche auf dem Platz stören weniger und es soll regnen.

Am Ankunftstag ist es jedoch schön bei kräftigen Winden. Nach dem Ablegen des Gepäcks liegt die anstrengendere Etappe vor uns. Eine Klippe in 10 Kilometer Entfernung hinter diversen Hügeln. Und wie im Reiseführer vorausgesagt kommen gegen Abend einige Gelbaugenpinguine aus dem Wasser und watscheln zu ihren aufgestellten Nistkästen. Ein Zaun schützt sie vor zu aufdringlichen Besucher.
Auf den Steinen unten am Ufer lümmeln Seelöwen und -hunde herum. Wir schauen ihnen vom Rand einer Klippe zu während die stürmischen Winde an uns zerren. Den Naturgewalten so ausgeliefert zu sein ist etwas Besonderes. Ganz anders als das Kämpfen gegen den Wind auf dem Fahrrad. Das müssen wir auf der Rückfahrt.

Am nächsten Morgen spazieren wir bei Ebbe entlang der Steilküste. Zunächst alleine – bis zu einem Abschnitt auf dem ungewöhnlich große kugelförmige Konkretionen halb versunken im Sand stecken – die „Moeraki Boulders“. Untersuchungen haben ergeben, dass sich die Kugeln im Zeitraum von einigen Millionen Jahren in Meeresschlamm nahe der Oberfläche gebildet haben.

An der Straße mit einem Hinweisschild versehen und in jedem Reiseführer beschrieben, hält hier die durchs Land ziehende Touristenkarawane und stört ein wenig bei der Betrachtung. Aber wir gehören ja ebenfalls dazu.

Am Nachmittag ziehen vermehrt Wolken auf und der vorausgesagte Regen setzt ein. Er kann uns nichts anhaben mit festem Dach überm Kopf.
Der Campingplatz wird von einem Schweizer Paar gemanagt und das zieht offenbar herumreisende Landsleute an. Von freundlichen Alpenländern werden wir am Abend zu einem Wein eingeladen und bekommen am nächsten Morgen sogar eine Original Schokolade geschenkt.

Die nächsten 80 Kilometer legen wir mit dem Bus zurück, da es bis zur nächsten Stadt nur den Highway 1 mit entsprechendem Verkehr gibt.

Dunedin, siebtgrößte Stadt Neuseelands, das „Edinburgh des Südens“, von den ersten Schiffladungen Schotten im Jahr 1848 gegründet.
Viele alte Gebäude sind in der Stadt erhalten geblieben. Darunter auch der pompöse Bahnhof, eines der meistfotografierten Gebäude Neuseelands. Der Zugverkehr beschränkt sich hingegen auf ein bis zwei Abfahrten am Tag.

Unsere erste Unterkunft finden wir in einem völlig überfüllten Hostel. Die bezahlbaren Unterkünfte der Stadt sind alle voll. Für die nächsten Nächte finden wir über Airbnb bei Janie eine Unterkunft. Für mich ist sie anstrengend, da Janie gerne redet, Marie kommt mit ihr besser zurecht. Die Bleibe ist aber gut und über Tag erkunden wir die Stadt.

Drei Nächte verbringen wir auf der vorgelagerten Halbinsel. Immer das gleiche Phänomen. Bei unserer frühen Ankunft auf dem Campingplatz sind wir fast die einzigen Gäste, am Abend ist er voll von Wohnmobilen. Und alle wollen die Albatross-Kolonie am Inselzipfel besuchen – wir natürlich auch. Zum Schutz der Albatrosse ist alles weiträumig abgesperrt, aber auch um die Besucher kräftig zur Kasse zu bitten. Die Gruppen beobachten im Halbstundenrhythmus durch getönte Glasfenster die Albatrosse.
Unser Besuch erfolgt (leider) in windstiller Zeit und so sehen wir nur die auf ihren Eiern sitzenden großen Meeresvögel. Erst bei Wind können die Albatrosse mit einer Flügelspannweite von drei Metern starten und landen. Einige fliegende sehen wir von einer naheliegenden Klippe aus.

Steam-Punk, Trödel und Schafschur.

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Jan 302017
 

110. Reisetag

2335 km

 

Oamaru – ein merkwürdiger Ort.
In einem alten Gebäude, im sogenannten Steam-Punk Headquarter, haben sich kreative Schweißer mit wilden Figuren aus Überbleibseln des Industriezeitalters des letzten Jahrhunderts ausgetobt, vermischt mit Spiegel-Technik und Klangkunst auf einem alten Klavier. Davor steht eine alte Lock, die nach dem Einwurf von 2 Dollar funkten sprüht, dampft und pfeift.

Nicht nur im Headquarter, auch auf dem Kinderspielplatz ist geschweißte Kreativität präsent. An einem riesigen Hochrad hängen Schaukeln, die Rutsche ist über einen gepanzerten Elefanten zu erreichen.

Oamaru hat das Glück auf stabiler Scholle zu stehen. Die schweren Erdbeben im 200 km entfernten Christchurch hinterließen keine Spuren. Viele Gebäude aus viktorianischer Zeit sind in Hafennähe erhalten geblieben. Ihren ursprünglichen Zweck erfüllen sie schon lange nicht mehr. Diverse Trödel- und Krimskramsläden, Galerien und Cafes haben sich hier angesiedelt.
Auf der Straße fährt ein Radler auf einem Hochrad, wie in vergangenen Zeiten, spielend einfach wie es aussieht. Andere Hochräder stehen zum Verkauf oder sind auf der Straße festgeschraubt – zum Aufsteigen für Neugierige. Es bleibt uns ein Rätsel weshalb gerade in dieser Stadt.

Die meisten Traveller kommen jedoch wegen der Pinguine. Nahe dem Ufer findet jeden Abend dieselbe Schau statt. Auf einer Bühne sitzend sehen die Touristen einen Schwarm Zwergpinguine aus dem Wasser kommen und über Steine zu ihren künstlichen im Boden liegenden Brutkästen watscheln. Der bessere Platz kostet ca. 35 Euro, die schlechteren sind günstiger. Wir beobachten das Theater aus der Ferne.

Unsere Unterkunft wechseln wir bereits am zweiten Tag (ist ausgebucht) und haben Glück damit. Die neue hat nicht nur einen schönen Blick über den Hafen, das besondere für uns ist der Mann der Chefin. Er ist Schafscherer und nimmt uns mit zu seiner Arbeit. Er organisiert sogar unseren Transport zur 40 km entfernten Schaffarm.
1000 Schafe werden an diesem Tag ihre Wolle verlieren. Zusammengepfercht stehen sie bereits einen Tag lag auf kleinstem Raum ohne die Möglichkeit zum Fressen – zum Ausködeln, damit beim Scheren alles sauber bleibt.
Im Schuppen sind 4 Schafscherer bei der Arbeit. Muskulöse Männer, sie packen das Schaf an den Vorderbeinen und ziehen es rückwärts aus dem Pferch. Die Schur beginnt. Manchmal strampelt es noch, dann wird der Klammergriff verstärkt und der Kopf zwischen die Beine geklemmt. In atemberaubender Schnelle fährt die Schere über den Körper. Nach 90 Sekunden erhält das Schaf einen Schubs und rutscht hinab in den Stall, die Schur ist beendet. Das heutige Tagespensum liegt bei 250 Schafen pro Scherer.
Frauen mit Holzschiebern klauben die frisch geschorene Wolle zusammen und sortieren sie nach Reinheit und Länge. Alles läuft mehr oder weniger wortlos ab. Es herrscht eine energievolle, schweisstreibende Arbeitsatmosphäre. Abba ertönt im Hintergrund zu dem lauten Brummen der Scherapparate.

 

Alps2Ocean.

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Jan 262017
 

 

 106. Reisetag

2301 km

 

Neuseelands längster Trail liegt vor uns – der „Alps2Ocean“ mit 310 Kilometern. Der offizielle Beginn liegt an den Hängen vom Mt. Cook, mit 3724 m Neuseelands höchster Berg. Wir starten alternativ in Tekapo, um den notwendigen Helikopter-Transfer (mit Rädern) über den Tasmanfluss zu vermeiden.

Die Regenwolken vom Vortag sind verschwunden, der heftige Wind ist geblieben. Da wir das Zimmer räumen müssen entscheidet Marie mutig: wir fahren weiter. Anfangs kommen wir gut voran, auf einer Straße ohne Steigung entlang eines Kanals. Dieser verbindet die (meist) gestauten Bergseen, deren unterschiedliche Höhen zur Stromerzeugung genutzt werden. Nach einer Kehre des Kanals wird der Seitenwind zum heftigen Headwind.

Zum Weiterradeln langen unsere Kräfte nicht, sogar das Schieben ist mühsam. Marie streikt und will umkehren. Ich bin sauer. Wir fahren zurück nach Tekapo, dem Ort in dem wir ungewollt bereits 5 Nächte verbracht hatten. Auf einer Wiese vor der JH schlagen wir das Zelt auf. Bei fast Null Grad wird es unsere kälteste Nacht draußen. Der nächste Tag belohnt uns mit Sonnenschein und Windstille. Ohne Anstrengung fahren wir entlang von Kanälen und türkisblauen Bergseen durch schönste Gebirgslandschaften, am Horizont die Kuppen der Schneeberge. Die Konturen der Berge grenzen sich scharf vom klaren Himmel ab. Ganz anders der nächste Tag. Tief hängende Wolken reduzieren den Weitblick und geben der Landschaft etwas Melancholisches. Bevor die ersten Tropfen fallen haben wir am Ohau-See auf einfachsten Campingplatz das Zelt aufgeschlagen und unser Abendessen zubereitet. Der einsetzende ausdauernde Regen hält uns den nächsten Tag im Zelt fest. Es hat sich bewährt lieber zu warten und wirklich, bei Sonnenschein brechen wir einen Tag später auf. Es geht kräftig in die Höhe. Zunächst auf guter Piste mit sagenhaften Rückblick auf den Ohau-See und der Schneekuppe des Mt. Cook dahinter. Leider erfordert bald das grobe Gestein auf dem Weg unsere ganze Konzentration. Selbst die anschließende Talfahrt erlaubt wegen der schlechten Wegbedingungen wenige Seitenblicke. Der Trail endet auf einer geschotterten Straße. Schönstes Umfeld und Weitblicke aber wenig Möglichkeit diese zu genießen, da der lose Schotter den Blick nur nach vorne erlaubt.

Geruhsamer erleben wir die nächsten Tage. Entlang von Stauseen und Flüssen bewegen wir uns talwärts. Selbst der Wind meint es gut mit uns.

Erst am letzten Tag, bevor wir den Pazifik erreichen, stellen sich noch einmal Berge in den Weg. Merkwürdigerweise ist es in Küstennähe deutlich kälter als oben in den Bergen. Müde und bei Regen erreichen wir den Ort Oamaru. Zelten wollen wir nicht. Da viele Unterkünfte voll sind dauert es etwas länger in der recht hügeligen Stadt eine Bleibe zu finden.
Zur Abwechslung von den Nudelgerichten essen wir am Abend jeder eine viel zu große Pizza.