Die Reisterrassen bei Jatiluwih.

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Dez 032017
 

418. Reisetag

9009 km

 

In Denpasar weile ich wieder im schönen Hotel Inna. In der Frühe, auf der kleinen Terrasse vor meinem Zimmer beim Kaffee, sehe ich dem Erwachen des Hotelbetriebes zu. Eine Schar junger Hotelangestellte kommt mit ihren Besen vorbei. Rasen und Wege werden gefegt, unkoordiniert. Im Haustempel wird die tägliche Opfergabe hinterlegt. Später kommt die Katze und frisst die Reisbeigaben daraus. Beim Gang zum Markt trinke ich meinen Kaffee im gleichen Shop und mancher Stammgast erinnert sich an mich. Auf dem Markt freut sich die Verkäuferin am Obststand über mein Wiederkommen. Alles bekannte Wege und fast ein kleines Ritual.

Am dritten Tag erfolgt ein kleiner Aufbruch. Mit dem Rad fahre ich hinauf in die Berge zu sehenswerten Reisterrassen. Anfangs auf normaler Straße mit mäßiger Steigung und angenehmer Temperatur. Schwieriger wird das Fahren auf den folgenden Feldwegen. Sie sind zwar meist betoniert, durch tiefe Flusseinschnitte zu radeln und schieben aber sehr schweißtreibend. Der Tag ist fortgeschritten, die Temperaturen und Luftfeuchtigkeit hoch. Ein kräftezehrendes Fortbewegen. Das Rad wird wohl bald wieder einem Moped weichen.

Eine gewisse Höhenlage scheint für die Hühnerzucht geeignet zu sein. Ich fahre an diversen Großställen vorbei, mit Tausenden Hühnern zusammengepfercht in engen Käfigen. Die braunen Hühner liefern Eier, die weißen sind zum Verzehr. Nach dem unschönen Blick auf die Massentierhaltung und einer weiteren Taldurchquerung wird’s lieblicher. In 750 m Höhe, im Ort Jatiluwih, übersetzt „ergreifende Schönheit“, erreiche ich mein Ziel. Saftig grüne Terrassen ziehen sich entlang der Hänge. Inmitten des Grüns kleine Schreine für Opfergaben. Ich sehe Bauern bei der Feldbestellung. Es wird gepflügt, auf schmalen Feldern mit Büffeln, und geerntet. Der Reis wird von Frauen mit der Hand geschnitten. Ich stehe inmitten von Balis ältester Reisterrassenlandschaft, ein Unesco-Weltkulturerbe. 

Ich finde eine schöne Unterkunft. Vom Esstisch aus sehe ich hinter den Terrassen sogar den noch etwas qualmenden Vulkan Agung. Beim Abendessen komme ich in Kontakt mit meinen Tischnachbarn, zwei Schwestern aus dem Libanon, die jetzt in der Türkei leben. Sie laden mich für den nächsten Tag zu einer Autorundfahrt ein um einige Tempel an den Berghängen anzuschauen. Darüber freue ich mich und verlängere sogleich meinen Aufenthalt um einen Tag. 

Bei der Rückfahrt nach Denpasar wähle ich eine geänderten Route und merke die Schwächen meiner digitalen Karte. Gleiche Wegbewertung (wie bei der Hinfahrt), aber nicht befahrbar. Ich bleibe im Matsch stecken und muss zurück. Zwei weiteren Versuche auf anderen Wegabschnitten ermöglichen ebenfalls kein Durchkommen. So viel Pech hatte ich schon lange nicht mehr bei meiner Wegwahl. Zum Glück ging es an diesem Tag meist bergab.

Zurück nach Bali.

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Nov 282017
 

Dunkle Wolken oder Rauch über dem Vulkan?

413. Reisetag

8901 km

 

Die Floresrundfahrt war erstaunlich erlebnisreich und mit dem Moped so schön leicht zu bewältigen. Gut das ich so weit in den Osten vorgedrungen bin. Beim Italiener in Labuan Bajo genieße ich am Abend ein letzte gutes Inselessen. 

Am nächsten Morgen beginnt die Rückfahrt (nach Bali), die längste auf meinen bisherigen Reisen (abgesehen vom Heimflug). Das „örtliche Zurück“ ist mit etwas behaftet, was in mir eine merkwürdige Stimmung auslöst. Beim Blick von der Fähre auf die langsam verschwindende Insel werde ich melancholisch. Ist es ein langsamer Abschied vom langen Unterwegssein? So ganz anders als die Aufbruchsstimmung vor fast sechs Jahren. Werde ich langsam alt?

Mit sieben Stunden ist es eine lange Fährfahrt. An Deck suche ich mir einen Schattenplatz um frischen Wind um die Nase zu haben und döse. Das Buch „Indonesian for Beginners“ bleibt diesmal ungeöffnet in der Tasche. Überhaupt, meine Energie mit dem Sprachenlernen schrumpft. Nach der Ankunft auf der Insel Sumbawa gehts noch einmal gut eine Stunde mit dem Bus weiter nach Bima. Auf bekannten Pfaden radele ich dort in das bekannte Hotel. Die Insel durchquere ich mit dem Bus, einmal durchradeln genügt und die Insel ist lang. Zur nächsten Stadt benötigt der Bus neun Stunden inkl. zwei Reifenwechsel. Am nächsten Tag sitze ich noch einmal drei Stunden in einer Klapperkiste zur nächsten Fähre. Es regnet seit dem frühen Morgen. Wohl deswegen wird der Bus nicht voll 

Die nächste Meeresstrecke ist kurz, nur zwei Stunden Fährfahrt, aber eine Stunde warten, bis der Anleger frei wird. Auf der Insel Lombok beabsichtige ich die Endrunde (über die Straße) um den Vulkan Rinjani zu radeln – eigentlich.

Bei der Ankunft am frühen Nachmittag sind dunkle Wolken aufgezogen. Die nächste Unterkunft liegt am Berghang in ca. 25 km Entfernung. Etwas unschlüssig stehe ich am Straßenrand und orientiere mich auf meiner digitalen Karte. Ein (leerer) Kleinbus hält an und bietet mir eine Privatfahrt in das 80 km entfernte Mataram, der Inselhauptstadt an. Ich denke an die schöne Unterkunft auf meiner Hinfahrt und werde schwach. Der Preis für die Fahrt alleine im Bus ist hoch und unnötig. Wir einigen uns auf eine Normalfahrt mit etwas höheren Preis für mich und Rad. Das ist eine gute Entscheidung. Kurze Zeit später fängt es an zu regnen. Außerdem geht die Fahrt über die verkehrsreiche Hauptstraße.
Diese Kleinbusfahrt ist ein Jagen nach Passagieren. Es sind viele dieser Busse unterwegs und der vordere erhält den am Straßenrand winkenden Passagier. Die Überholmanöver verkrampfen mich auf dem Sitz.
Als bekannter Gast erhalte ich in der Unterkunft als erstes einen Kaffee. Zur Entspannung bleibe ich den nächsten Tag. 

Die nächsten 25 km zur Fähre nach Bali radele ich endlich mal wieder. Als wäre es Gesetz. Beim Erreichen des Hafens liegt die abfahrende Fähre noch am Pier, die Beladung ist aber abgeschlossen. Das heißt jedes Mal eine längere Wartezeit an Bord der nächsten.

Am Vorabend las ich in den Nachrichten über das Wiedererwachen der Aktivität des Vulkans Agung. Beim Verlassen Balis vor ca. zwei Monaten grummelte er und bei meiner Rückkehr wieder. Bei meiner Ankunft in Bali bin ich ganz in seiner Nähe. Der Berg liegt verhangen hinter einer dunklen Wolkenschicht.

Am nächsten Morgen erfolgt eine schweißtreibende Rückfahrt nach Denpasar, diesmal nicht entlang der Küste sondern durch das hügelige Hinterland.

Ende einer Mopedtour.

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Nov 202017
 

405. Reisetag

8824 km

1595 km Moped

 

Die Sonne im Nacken – westwärts ist die neue Richtung. Zunächst 35 Kilometer zurück in der Stadt Maumere. Ich besuche den großen Basar um mich für den Tag mit Früchten einzudecken. Das ist meist mein Mittagessen.
Weiter gehts zum etwas außerhalb gelegenen Fischerdorf Wuring. Dort stehen Holz- und Bambusmattenhäuser auf Stelzen, die weit hinein ins flache Meer gebaut wurden. Auf dem geschütteten Verbindungsgängen dazwischen tummeln sich Kinder, Ziegen und viel Schmutz. An einer Anlegestelle wird die Ladung kleinere Boote, meist Reis, gelöscht. Junge Männer tragen die Säcke über Stege an Land.

Um nicht auf der bereits gefahrenen Trans-Flores-Straße nach Labuan Bajo zurückzufahren wähle ich eine Strecke entlang der Nordküste der Insel. Unterkünfte in kleinen Küstenorten gibt es ca. alle 120 km. Eine Stichstraße guter Qualität von der Hauptroute führt dort hin. Die Verbindungsstrecken entlang der Küste dagegen sind in meiner Karte in der niedrigsten Kategorie eingeordnet. Informationen über ihren Zustand finde ich nirgends.

Die ersten 50 Kilometer fahre ich auf bester Straße mit erstaunlich wenig Verkehr. Danach folgen einige Überraschungen. Auf Passagen direkt an der Küste ist die Straße weggespült, Mopeds können aber über Geröll passieren. Etwas später wieder gute Teerstraße, bis an steilen Küstenhügeln diese zur groben Schotterpiste wird. Mein Moped mit kleinen Reifen ist keine Geländemaschine. Ich muss aufpassen, dass ich nicht wegrutsche, bei steiler Bergfahrt über Geröll dreht der Hinterreifen durch. Die schlechten Straßenabschnitte zu befahren ist daher überhaupt kein Vergnügen. 

Drei Tage der Wechsel zwischen guter und schlechter Straße. Das genügt mir. Den letzten und wohl schwierigsten Abschnitt mit vielen Bergetappen mute ich mir und meiner Maschine nicht mehr zu. Bei der nächsten Gelegenheit fahre ich zurück zur Hauptroute. Diese erreiche in Ruteng, eine Tagesstrecke entfernt vom Ende meiner Mopedfahrt in Labuan Bajo. 

Vor ca. 14 Tagen bemerkte ich abends eine kleine Schürfwunde am Schienbein, mit bereits verkrusten Blut. Ich beachtete sie erst als einige Tage später die kleine Wunde anschwoll. In einer Apotheke holte ich mir Desinfektionsgase und verband damit das Bein. Beim Pflasterwechsel an diesem Nachmittag bemerke ich eine deutlich verschlechterte Wunde. An meine Selbstheilungskräfte glaube ich nicht mehr und begebe mich ins städtische Krankenhaus. Trotz mangelnder Indonesich-Kenntnisse erfolgt die Abfertigung zügig. Ich zahle so etwas wie ein Grundbetrag von einem Euro und werde zu einem Doktor geführt. Dieser diagnostiziert ein Geschwülst, verschreibt mir Antibiotika und zeigt wie ich die Wunde reinigen soll. Ich hoffe, das wird helfen. Schmerzen hatte ich zu keiner Zeit.

Am nächsten Tag endet meine Mopedfahrt. Die Leichtigkeit des Vorankommens hat mir sehr gefallen. Freue mich bereits darauf Mitte Dezember so eine Mopedfahrt – zusammen mit Marie – auf Bali zu wiederholen.

Vulkane, Meersalz und Holzbootbau.

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Nov 142017
 

399. Reisetag

8824 km

776 km Moped

 

130 Kilometer liegen vor mir, mit dem Moped eigentlich kein Problem – wenn nur das Sitzen bequemer wäre. Zwei Stunden auf der Schaumstoffbank und der Hintern schmerzt, und abends der Rücken. In der Haltungsfrage hat das Radfahren eindeutig Vorteile. Trotzdem, ich vermisse es nicht. Denke eher, wie einfach es wäre auf dem Moped die Welt zu erkunden.

Die anstrengungslosen Bergetappen sind ein Genuss zu fahren. Sie lassen mich weniger auf meinen Weg achten. Ich verfehle eine Abbiegung – nicht dass ich in die Büsche fahre – sondern in die falsche Richtung. Durch die kurvenreichen Bergstrecken ist mein Orientierungssinn eh durcheinander. Nach ca. 30 Kilometer Fahrt taucht vor mir das Meer auf. Das Ziel ist nahe – denke ich. Beim Schauen auf die digitale Karte merke ich den Fehler. Das ist das Meer auf der anderen Inselseite und passt so gar nicht zu meiner geplanten Inselroute. Muss also die gleiche Strecke wieder zurückfahren. Gerade noch rechtzeitig vor dem einsetzenden Regen erreiche ich mein geplantes Ziel.

Am nächsten Tag steuere ich einen Vulkan an. Zunächst auf der Straße bis zum kleinen Ort Moni, in dem ich mir eine Unterkunft suche. Dann gehts mit dem Moped 800 m in die Höhe. Die letzten 250 m muss ich laufen. Unter mir in den Kelimutu-Kraterschlünden liegen zwei türkisfarbenen Seen. Ich sehe die Farbkleckse so gerade noch im letzten Sonnenschein. Ich ahnte es bereits, diesmal wird er mich erwischen der Regen und auf der Talfahrt setzt er kräftig ein. Zusätzlich habe ich in der Höhe noch eine Mitfahrerin geladen. Sie fragte nach einem Lift ins Tal. Meine Regensachen habe ich zum Glück dabei. Trotz diverser High-Tec-Membranen darin und stolzem Preis, wasserdicht sind sie nicht.
Ich krieche fast die steilen Serpentinen hinunter, da ich nicht weiß wie die Reifen auf dem nassen Asphalt, manchmal vermischt mit angeschwemmten Matsch, haften.

Meine Floresrundfahrt nähert sich ihrem östlichem Punkt. Die Inselseite habe ich gewechselt und wohne für ein paar Tage in einer Bambusmattenhütte direkt am Strand. Im minimaoistischen Hüttenbad einige Merkwürdigkeiten. In der Frühe schaut mich ein Krebs an, auf einem Balken in ca. 1 m Höhe. Später ist er verschwunden, wohin kann ich nicht feststellen. Ein toter Gecko auf dem Boden bewegt sich durch die Teamarbeit der Ameisen und wird natürlich entsorgt. Unerklärlich für mich, wo meine Seife geblieben ist, die ich am Vorabend noch benutzt hatte.

Hinter meinem Hütte ragt der Vulkan Egon (1708 m) in die Höhe. Er ist aktiv, heißt es. Die letzte Eruption gab es 2007. Dennoch kann man in erklimmen. Mit dem Moped lege ich die ersten 800 Höhenmeter zurück, dann heißt es laufen. Steinig und steil geht es in die Höhe, oft unter Einsatz der Hände. Bereits um 9 Uhr morgens erreiche ich den Kraterrand. Ein tolles Gefühl nach der Anstrengung des Aufstiegs, hier zu stehen. Mit einer Weitsicht auf die Flores See mit den vorgelagerten Inseln. Kein Mensch um mich herum. Die Aktivität des Vulkans beschränkt sich auf ein seitlichen Loch aus dem laut zischend eine Dampfsäule emporsteigt. Rechtzeitig hatte ich den Kraterrand erreicht. Der Abstieg erfolgt bereits in den Wolken.

Beim Zurückkommen steht das Moped noch an seinem Platz, nur die zwei Rückspiegel fehlen. Beim Nachkauf erstaunt mich der Preis, zwei Euro zahle ich für den Set. 

Ein weiterer Ausflug geht in ein nahes Dorf. Nahe dem Ufer in Bambushütten sieden Frauen in Wannen Meerwasser zur Salzgewinnung. Direkt daneben zimmern die Männer Holzboote. Die Bretter werden nicht verleimt oder genagelt sondern mit Holzdübel verbunden. Gefischt wird natürlich auch. Und wie leider überall liegt viel Plastikabfall herum.